MANV-Abläufe digitalisieren: „Damit unsere Arbeit und die Dokumentation des Einsatzes schneller vonstatten gehen“ - RescueWave
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MANV-Abläufe digitalisieren: „Damit unsere Arbeit und die Dokumentation des Einsatzes schneller vonstatten gehen“

In einer spektakulären Schau-Übung erprobten Einsatz- und Führungskräfte des Landkreises Germersheim die Arbeit mit RescueWave

Auf einer vielbefahrenen Landstraße hat ein PKW an einer Kreuzung einem anderen Auto die Vorfahrt genommen. Mit hoher Geschwindigkeit kollidieren die beiden Fahrzeuge. Zwei nachkommende PKW können nicht mehr bremsen und fahren mit hoher Geschwindigkeit auf.

Es gibt schwer und leicht Verletzte, geschockte Menschen und Leute, die sich nicht selbst aus dem Auto befreien können. Bald treffen die ersten Rettungsfahrzeuge ein, die Einsatzkräfte versuchen, das Chaos zu überblicken, erste Sichtungen vorzunehmen. Aus der Motorhaube steigt Rauch auf, Menschen laufen herum, Schreie und Wimmern aus und neben den Fahrzeugen. So sieht das Übungsszenario am 20. Mai an der IGS in Rheinzabern zu Beginn aus.

Statt den üblichen Patientenanhängekarten verteilen die Einsatzkräfte nun elektronische Sichtungsgeräte – Rescue.Nodes – an alle Betroffenen und schalten sie ein. „Bisher würde jemand mit einem Zettel durchlaufen, versuchen, Patienten zu zählen und auch versuchen, Merkmale des Patienten zu erfassen“, so Jürgen See, der Organisatorische Leiter. „Das ist der entscheidende Unterschied: Die Geräte senden direkt digitale Signale an das Einsatzleitfahrzeug, die auf dem Bildschirm kenntlich gemacht werden. Das heißt, der mühsame Weg des Zählens und des Rückmeldens erübrigt sich, weil nun digital die Einsatzleitung alle Patienten und Betroffenen in Lage und Qualität sofort erfasst.“

Impressionen aus der Einsatzübung

Die Führungskräfte sehen sofort, wie viele Verletzte es gibt und wo sie sich befinden

Es kommen mehr und mehr Einsatzkräfte und Rettungsmittel hinzu: Feuerwehr, Deutsches Rotes Kreuz, Malteser, Ärzte. Der Leitende Notarzt und der Organisatorische Leiter beginnen damit, eine erste medizinische und technische Lageeinschätzung zu treffen. Sie sehen auf den Tablets sofort, wie viele Verletzte und Betroffene vor Ort sind und wo sich die betroffenen Menschen befinden samt Schweregrad ihrer Verletzungen. Am Rescue.Node stellen sie „im Handumdrehen“ die Sichtungskategorie ein, im Falle einer hohen Transportpriorität kann dies zusätzlich eingestellt werden. „Früher wäre bisher, was Erfassung und Organisation betrifft, nichts passiert“, sagt See. „RescueWave arbeitet sozusagen verdeckt mit und erfasst.“

Die Software erstellt im Hintergrund automatisch Statistiken und Übersichten, die sich laufend aktualisieren. Die Abschnittsleiter können auf ihren Tablets die Lage genau nachverfolgen: Wie viele Patienten wurden erfasst und wo befinden sich diese? Welche Sichtungskategorie haben sie? Wer muss priorisiert behandelt werden? Wer wurde bereits transportiert? Alle Führungskräfte verfügen also von Anfang an über ein gemeinsames und umfassendes Lagebild.

„Es ist schwierig, in so einer Lage nachzuvollziehen: Wo wurde dieser Patient gefunden? Wo war welcher Patient? Auch hier wird RescueWave eine große Hilfe sein, denn dieses System kann alle digitalen Spuren aufzeichnen“, so Organisationsleiter See. Mithilfe der Tablets können Bilder, etwa von den Patienten, und medizinische Daten ergänzt werden. „Diese Daten werden unmittelbar an das Einsatzleitfahrzeug übertragen, von dort bewertet und gewichtet“, sagt See. „Das hat früher viel Zeit in Anspruch genommen. Diese ganze Dokumentations- und Strukturarbeit übernimmt jetzt parallel zur Bewältigung der medizinischen Lage: RescueWave.“ Verletzte sind direkt auf Rettungsmittel und Kliniken zuteilbar, medizinische Erstmaßnahmen können dokumentiert sowie Transport- und Suchdienstinformationen aufgenommen werden.

Katastrophenschutz neu aufgestellt

„Mit RescueWave stellen wir unseren Katastrophenschutz in vielerlei Hinsicht neu auf“, so Dr. Fritz Brechtel, Landrat von Germersheim. „Es kann nicht nur bei einem Massenanfall von Verletzten eingesetzt werden, sondern beispielsweise auch bei lebensbedrohlichen Einsatzlagen wie Terror- oder Amoklagen, Einsätzen der Feuerwehr bei Personensuchen oder Einsätzen auf dem Rhein, um wichtige Lageinformationen zu erfassen und zu übermitteln.

Der Kreisausschuss hatte einstimmig beschlossen, das System anzuschaffen. Anlässlich dieses Beschlusses hatte der Landkreis zu der Schau-Übung in Rheinzabern mit rund 130 Aktiven geladen, unter dem Titel: „RescueWave – ein lebensrettendes System für die Menschen im Landkreis Germersheim“.

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